Neue OZ Feuilleton 05.12.2006


Reihenhaus wird zum Kunstspeicher
Von Tom Bullmann
Osnabrück.

Kunstausstellung und Wohnen verbindet das Ehepaar Sabine Witt und Norbert Placke in ihrem Kunsthaus 57:
Mit einem Winterfest wurden jetzt zwei Sonderausstellungen in dieser Galerie der besonderen Art eröffnet.


Mit viel Sinn für die Kunst: Christine Götz-Stertenbrink (links) und Wiltrud Betzler-Schellin zeigen ihre Werke im Kunsthaus 57. Foto: Klaus Lindemann

Es verschlägt einem den Atem: Mitten im Neubaugebiet betritt man in der Ernst-Weber-Straße das Haus Nummer 57 und sieht nur noch Kunst. Im Flur, in der Küche, im Schlafzimmer und sogar auf dem Klo wird jeder Zentimeter genutzt, um die vielen Kunstwerke der Sammler Sabine Witt und Norbert Placke präsentieren zu können. Originale von A.R. Penck, Horst Janssen, Günther Uecker, Markus Lüpertz, Max Pechstein, Max Uhlig und vielen anderen sind im ganzen Haus verteilt. Auch regionale Künstler sind zu finden: Unter anderem arbeiten Erika Rauschning und Ulrich Leive mit dem Kunsthaus 57 zusammen, Axel- Gundrum-Bilder gehören ebenfalls zum Fundus der Galerie.

"Wir haben jahrelang in Düsseldorf gelebt und gearbeitet", erklärt der gebürtige Osnabrücker Placke. In dieser Zeit hat er mit seiner Frau begonnen, Kunst zu sammeln: "Man glaubt es nicht, aber dort ist Kunst günstiger zu kaufen als hier, weil ein viel größeres Angebot besteht." Als sie mit ihren Kindern nach Osnabrück kamen, suchten sie zunächst eine großzügige Altbauwohnung, in der sie ihre Bilder ansprechend hätten präsentieren können. Doch dann wurde das Reihenhaus auf dem ehemaligen Kasernengelände zur Residenz mit Kunstcharakter. 2002 bezog die Familie das Haus, seit Anfang 2006 wird die Galerie gewerblich betrieben. Circa 500 Kunstwerke haben die beiden zusammengesammelt, mehr als die Hälfte ist verkäuflich und an den Wänden des Eigenheims zu besichtigen.

Um die Hemmschwelle zu senken, die Kunstinteressierte davon abhält, in die "Privatgemächer" der Kunsthändler einzudringen, veranstalten Witt und Placke Sonderausstellungen. Zurzeit werden Werke von Wiltrud Betzler-Schellin und Christine Götz-Stertenbrink ausgestellt.

Holzskulpturen gestaltet Christine Götz-Stertenbrink aus Osnabrück. Die natürlichen Formen des ursprünglichen Materials - Baumstämme, Wurzeln, Äste, die sie von Freunden und Bekannten geschenkt bekommt - verstärkt die Künstlerin, rundet sie zu eleganten Objekten. Diese poliert sie mit Schellack auf Hochglanz und betont so die jeweilige Struktur des Holzes sowie die Maserung.

Die Stuttgarterin Wiltrud Betzler-Schellin malt und entwirft Objektkästen. Angelehnt an ihr "Projekt 106", in dem sie Zeitgeschichte "künstlerisch verpackt", zeigt sie malerisch gestaltete Kästen im Format 30 x 30 Zentimeter mit handwerklichen Utensilien ihres Kunstschaffens: Stift, Pinsel, Palette. In ihren planen Werken, zum Beispiel in der Reihe "Monologe", collagiert sie Relikte ihres Arbeitsmaterials mit Farben und Formen, aus denen bisweilen ein Porträt auftaucht. Im Badezimmer des Kunsthauses hängen Arbeiten, in denen sie gestalterische Zufallsprodukte malerisch weiter anreichert.